Aller guten schlechten Dinge sind drei

Irgendwie verfolgt mich das – bei der Anreise, auf dem Weg nach Takayama und auch jetzt wieder.

Samstag Abend schaute ich nochmal ins Internet, bevor ich mich hinlegte. Durch die Zeitverschiebung würde ich einiges an Zeit gewinnen, dass heißt, mein Sonntag wird doppelt so lang wie gewöhnlich sein. Deswegen beschloss ich lange auf zu bleiben und in Ruhe auszuschlafen.

Denkste. Ich führte gerade den Online-Check-In durch, als mir die Abflugzeit ins Auge viel. “09:45? In meinem Kalender steht doch 16:45?!”

Mein überaus schlaues Smartphone hat beim Kalendereintrag die falsche Zeitzone verwendet, so war die Zeitangabe um sieben Stunden verschoben. Mein Plan war es, in Ruhe auszuschlafen und dann mit meiner Sitzplatzreservierung um zwei Uhr mit dem N:EX nach Narita zu fahren. Nun flog aber mein Flieger schon um zehn Uhr ab, was bedeutete, ich müsste schon um halb acht dort sein. Nichts ausschlafen. Das war nicht mal das größte Problem. Der N:EX ist ein vollreservierter Zug. Soll heißen: Keine Reservierung, keine Fahrt. Um eine Reservierung machen zu können, muss ich zu einem Ticketbüro. Das macht morgens um halb zehn auf. Jetzt ist es halb eins (nachts). Ihr seht das Problem? Kein N:EX für mich.

Zum Glück habe ich Alternativen. Es gibt eine zweite Zugverbindung zum Flughafen, allerdings von einer anderen Gesellschaft. Das bedeutet eine längere Fahrzeit sowie den vollen Ticketpreis für mich, da mein JR Pass nicht gültig ist. Aber das soll auch nicht das Problem sein, hauptsache ich würde meinen Flug erwischen.

Um eins ging ich dann ins Bett und stellte meinen Wecker auf fünf Uhr. Mit keinen vier Stunden Schlaf kroch ich bald darauf aus dem Bett und machte mich fertig. Meine beiden Koffer sind zum Stopfen voll und wogen zusammen 30 kg. Mit diesem Ballast durch Tokyo und durch die Züge zu kommen, stellte sich wieder mal als Herausforderung heraus.

Rechtzeitig kam ich am Bahnhof von Ikebukuro an, wo ich mit der Yamanote-Linie erst mal auf die andere Seite Tokyos fahren musste. Dort angekommen kaufte ich mir ein Ticket für den Keisei Skyliner. Der überaus kompetente, englisch sprechende Beamte gab mir mein Ticket und ich hiefte meine Sachen auf den Bahnsteig. Der nächste Zug kam in fünf Minuten, also stellte ich mich an der Markierung für Wagen sechs an, dort war meine Reservierung.

Nun kam es wieder so, wie es kommen musste. Wieso eigentlich immer das gleiche Spiel? Auf meinem Platz saß jemand und wir hatten beide den gleichen Sitzplatz. Nur hat der überaus kompetente Beamte mein Ticket für den übernächsten Zug ausgestellt. Na vielen Dank, das hättest du mir ja sagen können. Hat er vielleicht auch, aber so gut war mein Japanisch nun auch wieder nicht.

Der überaus hilfsbereite und verständnisvolle Schaffner entfernte mich von dem freien Sitz, auf dem ich saß, weil er leer geblieben war, und schickte mich sieben Wagen weiter ans Ende des Zugs. Mit einem Gepäck, dass ich nicht rollen konnte, weil der Gang zu schmal war. Deswegen fahre ich lieber mit JR.

To make a long story short, ich kam pünktlich in Narita an, alles weitere lief ohne Probleme ab und ich bekam den Flug ohne Schwierigkeiten.
dsc_0656

Nach elfeinhalb Stunden kam ich in Frankfurt an. Ich verließ den Ankunftsbereich und holte mein Gepäck. Mein Vater wartete bereits auf mich und wir fuhren gemeinsam nach Hause. Ich wurde mit einem leckeren Abendessen begrüßt und konnte danach in Ruhe ausschlafen.

Ende gut, alles gut.

Ja, das war’s dann

Vorbei. Fünf wunderschöne Wochen auf der anderen Seite der Weltkugel im Land der Samurai, der Shintoschreine und der Roboter. Von Sendai über Tokyo, von Kyoto bis Hiroshima und vieles dazwischen. In diesen fünf Wochen habe ich so viele Dinge gesehen und erlebt, dass es sich kaum in Worte fassen lies. Ich hab mein Bestes getan, es trotzdem möglich zu machen. Wenn mir die Worte ausgingen, half meistens ein Bild.

Und nicht nur eins. Ich habe knapp 2000 Fotos mit meiner Nikon geschossen. Ich habe euch natürlich nur einen Bruchteil davon gezeigt, ich hoffe das stört euch nicht. Die Besten habe ich euch immer zur Verfügung gestellt. Und falls ihr euch für die Restlichen interessiert, kommt mal bei mir vorbei und wir schauen sie uns zusammen an. Plant dafür aber etwas Zeit ein.

Japan hat mich schon seit langem fasziniert, und jetzt tut es das nur noch mehr. Dadurch, dass ich so viele Orte besuchen konnte und ich dazu das Alltagsleben abseits vom Tourismus erleben konnte, hat mir einen sehr breiten Eindruck gegeben. Diesen habe ich versucht, in 27 Artikeln mit euch zu teilen.

Dazu habe ich so viele Leute kennengelernt, manche nur für ein paar Stunden, manche für Wochen. Durch das Internet bleiben wir heute noch in Verbindung und ich hoffe, das wird auch so bleiben.

Danksagung

Ich möchte mich nochmal kurz bei allen bedanken, die mir diese Reise ermöglicht haben und die, die mich davor, unterwegs und danach unterstützt haben.

Ganz besonders möchte ich mich bei meiner Mutter, meinem Vater und meiner Stiefmutter bedanken, die es mir überhaupt erst ermöglicht haben, diese Reise unternehmen zu können. Ohne ihre kräftige Unterstützung wäre ich die ganze Zeit zu Hause geblieben.

Ich bedanke mich auch herzlich bei allen Mitarbeitern der Deutschen Schule Kobe, mit denen ich drei schöne Wochen verbringen konnte. Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln.

Die Liste wäre zu lang, um sie alle aufzuzählen, aber so viele Menschen sowohl aus Deutschland, als auch in Japan haben mich auf vielfältige Weise unterstützt. Auch ein Danke dafür.

Und last, but not least: Ihr, meine treuen Mitleser. Vielen Dank, dass Ihr bis zum Ende mitgelesen habt. Es bedeutet mir viel, das Ihr euch für meine Erlebnisse hier interessiert habt und es mir auch oft mitgeteilt habt. Es haben sich nicht gerade wenige Leute dafür interessiert, das sehe ich an den Besucherzahlen und den sozialen Interaktionen. Über 600 Mal wurde diese Seite besucht, im Schnitt 20 Mal pro Tag.
Vielen Dank für Eure Treue!

Meine Highlights

Es ist verdammt schwierig, so viele einzigartige Erlebnisse zu vergleichen und zu nummerieren. Ich versuche es trotzdem.

Meine Lieblingsorte:

  1. Kobe – Die Stadt, in der ich die meisten Zeit verbracht habe. Mir hat es dort von Anfang an gefallen. Perfekte Lage zwischen Bergen und Wasser, zentrale Lage, nicht zu groß, international. Wenn ich frei entscheiden könnte, wo in Japan ich leben würde, wäre Kobe meine erste Wahl.
  2. Kyoto – Die Stadt ist kulturbedeutend, interessant und schön, aber Kobe gefiel mir einfach besser.
  3. Osaka – Die Stadt hat einfach was. Es ist immer etwas los, die Stadt ist jung und ich hab die zwei Tage dort sehr genossen.
  4. Tokyo – Hauptstadt und Metropole. Voll, laut, schläft nie. Wohnen wollte ich hier auf lange Zeit nicht, aber für kurze Zeit kann man hier extrem viel erleben.
  5. Hiroshima – Trotz den tragischen Ereignissen gab es in der Stadt viel zu sehen und schön ist sie dazu. Und Miyajima hebt es auch nochmal an.

Die schönsten Ausflüge:

  1. Shirakawa-go
    dsc_9548Dieses Bergdorf hat es mir wirklich angetan. Zusammen mit dem Aufenthalt in den traditionellen Häusern und dem Onsenbesuch war das mein schönster Ausflug.
  2. Matsushima
    dsc_0289Diese Landschaft war einfach unglaublich schön. So idyllisch…
  3. Kamakura
  4. dsc_0482Auch Kamakura war sehr schön und kulturhistorisch interessant zugleich, besonders Enoshima ist ein schönes Ausflugsziel.

  5. Hiroshima
    dsc_5378Der Atombombendom und Miyajima haben mich extrem beeindruckt.
  6. Arima
    dsc_6808Mein erster Onsenbesuch, und dazu noch die Geisha-Aufführung – Ein einmaliges Erlebnis

Meine Lieblingstage:

  1. Hiroshima Tag 1 – Der Atombombendom, das leckere Abendessen und dann abends dieses Feuerwerk. Unbeschreiblich.
  2. Mein Geburtstag – Kyoto war ein schöner Ausflug und dazu noch das Feuerwerk mit Izumi. Pluspunkte für die Kerzen.
  3. Matsushima – Die Fahrt mit dem Hayabusa, Matsushima, die Zeit, die ich mit Ray verbracht habe, die Culture Japan Night und das Karaoke.

Mein Lieblingsessen (nicht sortiert):

  • Okonomiyaki
    dsc_6015
  • Kobe Beef
    dsc_9423
  • Takoyaki
    dsc_6670
  • Taiyaki
    dsc_0084
  • Melonpan
    dsc_6264
  • Maccha-Eis
    dsc_6455

Die schönste Aussicht:

  1. Enoshima
    dsc_0575
  2. Tokyo Sky Tree
    dsc_9791
  3. Rokko-san
    dsc_5256

Preisfrage – für die Otakus unter euch

Ich habe auf meiner Reise ganze vier Orte besucht, die als Vorlage für Animes dienten. Habt ihr erkannt, welche das waren und für welche Anime sie jeweils benutzt wurden?

Ein Blick in die Zukunft

Japan ist ein so vielfältiges Land, das man selbst erlebt haben muss. Ich werde wieder kommen, irgendwann – wer weiß wann. Aber momentan stehen andere Dinge an.

Meine Abenteuer hören damit nicht auf. Das nächste wartet bereits auf mich. Mitte September beginne ich mein Chemiestudium in Zürich. Bis es überhaupt richtig losgeht, gibt es noch viel zu tun, allem voran der Umzug. Ich bin gespannt, wie dieser neue Lebensabschnitt sein wird. Es fällt mir schwer, mich von vielen guten Freunden auf längere Zeit zu verabschieden, aber ich komme von Zeit zu Zeit in mein “richtiges” zu Hause zurück und bleibe natürlich mit allen in Kontakt.

Was mit diesem Blog passieren wird, habe ich noch nicht sicher entschieden. Letztes Mal sind drei Jahre vergangen bis ich wieder etwas zu Papier zu Word gebracht habe. Wir werden sehen, vielleicht schreibe ich ab und zu etwas über meine Zeit in Zürich.

Dann bleibt mir noch eins zu sagen:

みんなさん、ありがとうございました!
またね、バイニー!

おわり。。。と はじまり?
Markiert in:                                                                 

Ein Kommentar zu „おわり。。。と はじまり?

  • 2013/01/06 um 18:10 Uhr
    Permalink

    Ich habe mich gestern (und gerade eben) mal ein wenig in einige deiner Posts eingelesen bzw. sie durchgelesen und bin in der Tat berührt. Deinen Erzählungen kann man wirklich gut folgen und auch mithilfe der Bilder konnte ich mir gut vorstellen, wie es wohl gewesen sein müsste. Zumindest glaubte ich das. Auf jeden Fall ist so eine Reise etwas, was dich zeichnet. Es wundert mich, dass ich gar nichts davon mitbekommen habe.

    Es ist fast schade, dass hier niemand sonst kommentiert, wenn du dir doch so viel Mühe mit deinen Blogposts machst. Selbst ich kann natürlich nicht alle Posts kommentieren, deswegen fasse ich es hier einfach für alle zusammen. Es genügt ja, wenn ich sage, dass ich mindestens 4 Beiträge gelesen habe. ;)

    Leider hast du daduch in mir eine Art Veränderungsdrang geweckt. Plötzlich war ich ein wenig unzufrieden mit meinem Leben und überlegte mir, was ich wohl anders machen könnte. Aber da ich schon sehr bald mein Abitur mache, wird sich vollkommen automatisch schon einiges ändern.

    Auf jeden Fall werde ich diesen Blog hier weiter verfolgen, es ist erfrischend, zwischendurch mal gut Erzähltes zu lesen. Das kann leider nicht jeder so gut.

    Ach ja, nebenbei habe ich übrigens dieses Album angehört, war sehr entspannend: http://www.youtube.com/watch?v=nGT8VnHy34g&playnext=1&list=PL5B47F5924E417134

Kommentare sind geschlossen.

Entdecke mehr von Tabimonogatari - 旅物語

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen