Es ist soweit, Zeit für meinen ersten Ausflug aus Kobe raus.

Dieses Wochenende ging es nach Hiroshima in Chugoku.

Hiroshima verbinden die meisten mit dem zweiten Weltkrieg und der Atombombe, aber diese Stadt ist so japanisch und modern, wie viele andere auch und in den meisten Bereichen der Stadt ist von der Vergangenheit nichts zu erkennen.

Ich habe von zu Hause aus ein Paket aus Zugfahrt und Hotel gebucht, womit ich verglichen mit dem Einzelpreis ordentlich Geld gespart habe. Die Sache war nur, dass mein Shinkansen-Ticket ab Osaka und nicht ab Kobe gültig ist. Da aber Shin-Kobe die Station nach Shin-Osaka ist, wollte ich mir die Rundfahrt sparen und direkt in Kobe zusteigen.

Das hat dann sogar besser funktioniert, als ich erwartet hatte. Man lies mich einfach durch, ohne die Stirn zu runzeln oder Fragen zu stellen. Vielleicht las der Kontrolleur nur das erste Kanji, das bei beiden Stationen 新 ist.

Für ein preiswertes Mittagessen habe ich mir im Supermarkt ein Bento und ein Onigiri (Reisbällchen mit Füllung) gekauft und diese in meine in Düsseldorf gekaufte Bentobox gesteckt. Endlich konnte ich sie einweihen.
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Um 8:59 kam der Nozomi-Shinkansen pünktlich auf die Sekunde eingefahren. Ich hatte eine Reservierung im 12. von 16 Wagen.
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Kurz nach zehn bin ich im Bahnhof Hiroshima angekommen. Mein Hotel gibt die Zimmer leider erst ab eins frei, also habe ich mein Gepäck abgegeben und bin auf Sightseeing Tour gegangen.

Shukkeien – Der schönste Garten Hiroshimas

Zu Fuß bin ich vom Bahnhof aus (mein Hotel liegt direkt daneben) Richtung Westen gelaufen. Durch Hiroshima fließen mehrere Flussarme des Ota, deswegen muss man oft Brücken überqueren, um ans Ziel zu gelangen.

Mein erster Stopp war Shukkeien, ein Park im Herzen der Stadt. Er wurde 1620 gebaut und wurde mit dem Rest der Stadt 1945 vollkommen zerstört, zum Glück aber wieder aufgebaut.

Im Park habe ich mir einen schattigen Platz gesucht und habe mein Mittagessen gegessen.
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In der Mitte des Parks lag ein großer Teich, in dem viele Karpfen und sogar Wasserschildkröten schwammen.
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Vom Park aus bin ich weiter nach Westen zur Burg Hiroshimas gegangen. 1958 wurde die Burg nach dem alten Vorbild aufgebaut.

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In der Burg gab es eine Ausstellung über die damalige Zeit und aus dem obersten Stockwerk konnte man über die Stadt blicken.

Zurück im Hotel habe ich mein Zimmer bezogen. Es liegt im 15. Stock! und ich habe eine tolle Aussicht über die Stadt Parkplätze.

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Mein nächstes Ziel war der Friedenspark, aber davor habe ich noch einen Abstecher zur Weltfrieden-Gedächtnis-Kathedrale gemacht. Sie wurde 1954 erbaut und ist einer der größten christliche Gemeinden Asiens und viele Länder stifteten Gegenstände für die Kirche.

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Trauer und Hoffnung vereint an einem Ort

Mit der Straßenbahn bin ich weiter zum Friedenspark gefahren. Der Atombombendom, wie er heute genannt wird, ist der Überrest, den die Atombombe von der Handelskammer übriggelassen hat. Die Atombombe ist wenige Meter vom Dom detoniert.

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Südlich davon öffnet sich der Friedenspark, in dem viele Gedächtnissteine und Denkmale stehen. Überall stehen Unterschriftensammler gegen Atomwaffen, aber die Wenigsten interessieren sich dafür.

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Das ist das Kinderdenkmal, dass an die tragische Geschichte von Sadako erinnert. Sie litt in Folge der Radioaktivität an Leukämie. Es gibt die Sage, dass dem, der 1000 Origami-Kraniche faltet, einen Wunsch erfüllt bekommt. Sie faltete Tag und Nacht, erlag aber der Krankheit, bevor sie ihr Ziel erreichen konnte.

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Vom Gedenkkenotaph sieht man die Friedensflamme, die erst gelöscht werden soll, wenn alle Atomwaffen zerstört worden sind (Futur II ftw).

Zuletzt habe ich das Friedensmuseum besucht. Es erzählt die tragischen Geschehnisse, die sich während und nach dem Abwurf ereigneten.
dsc_5390Modell der Umgebung nach dem Abwurf

Es wurden auch Fotos und Nachbildungen von den Strahlenopfern ausgestellt. Der Anblick war schrecklich und ich war sehr getroffen. Das Museum zeigte jetzt kein Zurückhaltung vor dem, was damals passiert ist. Die Gründe für diesen Vorfall müssen kontrovers diskutiert werden, aber das Resultat ist schrecklich mit anzusehen.

dsc_5393Sadakos Kraniche

Das Wunder der japanischen Küche

Ich muss euch im Vorfeld warnen, ich hab mich etwas in der Schwärmerei über das Essen verloren. Wenn ihr noch nichts gegessen habt, überspringt den Abschnitt besser.

Das Abendessen wollte ich im Hotel einnehmen, was leichter gesagt, als getan war. Es gab nämlich drei Japanische, zwei Chinesische und zwei westliche Restaurants. Ich habe mich für das japanische im zweiten Stock entschieden. Alle Bedienungen trugen Kimonos und waren freundlich und zuvorkommend.

Mein Abendessen bestand aus ganzen sechs einzelnen Gerichten in vielen kleinen und großen Schalen.

Das Highlight war das Shabu Shabu, dünn geschnittenes rohes Rinderfleisch. Man sollte es zunächst in erhitzter Sojamilch kurz kochen und dann in Sesamsoße geben.

Das Rindfleisch war das Beste, dass ich je gegessen habe. Es war so zart und saftig und die Marmorierung trug auch ihr Bestes dazu bei. Ob das Kobe-Rind war, weiß ich allerdings nicht.

Daneben hab es auch noch Sashimi (rohe Fischfiletstücke / Nigiri ohne Reis) mit Sojasoße und frischem geriebenen Wasabi, Tenpura (frittiertes Gemüse und Krabben; die Portugiesen haben die Speise nach Japan gebracht), eine Schale Reis und eine Suppe mit Klößchen, die mich entfernt an Leberknödel erinnert haben.

Dann standen da noch drei kleine Schalen und Gläschen, von denen ich glaubte, sie seien der Nachtisch. Damit lag ich allerdings falsch. Eins davon waren grüne Algen in einer Soße, die ziemlich schleimig aussah. Obwohl es nicht gerade lecker aussah, schmeckte es ziemlich gut.

Danach kam der richtige Nachtisch: Ein Sorbet, das nach einer Mischung aus Zitrone und Honigmelone schmeckte, dazu einen grünen Tee.

Feuerblumen im Hafen

Nicht ganz ohne Grund habe ich dieses Wochenende für meinen Ausflug hierher ausgesucht. Samstag abends fand das jährliche Hafenfeuerwerk (みなと 花火) statt.

Hanabi bedeutet wörtlich Feuerblume und ist für viele der Höhepunkt des Sommers. Man trägt Kimonos, isst kandierte Äpfel und ruft “Tamaya” in den Himmel.

Vom Bahnhof wollte ich mit der Straßenbahn zum Hafen fahren. Ich war leider nicht der Erste mit dieser Idee…

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Eine Stunde später kam ich an und strömte mit der Masse ans Ufer. An der Promenade reihten sich ein Stand an den nächsten; sie verkauften Yakisoba, kandierte Äpfel, Taiyaki und vieles mehr.

Für zahlende Kundschaft gab es reservierte Plätze, ich habe mich aber mit den Anderen in die Nähe der Läden gestellt.

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<em>Anmerkung: Da stand ich leider nicht, das Bild ist nach dem Feuerwerk entstanden.</em></p>
<p>Um sieben Uhr sollte das Feuerwerk beginnen, aber da die Sonne noch nicht untergegangen ist und noch bei weitem nicht alle da waren, wurde das Feuerwerk auf acht Uhr verschoben.</p>
<p>Dann ging es los. Mit Stativ und Kamera machte ich rund 200 Fotos. Hier ein paar der Schönsten:</p>
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Dagegen sah der Mond blass aus. Er hat sich vor Scham hinter den Wolken versteckt.

Jedes Mal, wenn man denkt, dass Japan einen nicht mehr überraschen kann, irrt gewaltig. Zu jeder Feuerwerkladung spielten sie ein Lied, oft auch amerikanische Klassiker oder Filmmusik. Diesmal spielten Sie zu den Feuerwerken die Carmina Burana von Carl Orff. Zu “O fortuna, velut luna” knallte und rauchte es in den schönsten Farben.

Hier noch ein weiterer Ausschnitt:

Eine Stunde später war es leider schon wieder vorbei. Mit “Freude schöner Götterfunke” wurde die letzte Ladung in den Himmel geblasen.

Als die Massen davon zogen, holte ich mir noch von dem Stand, neben dem ich stand, Hashimaki. Das ist ein gerollter mit Gemüse und Soße gefüllter Teig, der auf Stäbchen (Hashi) aufgerollt wird.

Auf dem Weg zurück habe ich mich der falschen Schlange angeschlossen und brauchte deshalb zwei Stunden zurück nach Hause. Meine Beine fühlten sich an wie Pudding.

Zurück im Hotel

Auf dem Zimmer habe ich nochmal kurz den Fernseher eingeschaltet. Es lief gerade eine Reportage über Schweizer Bahnen im Winter. Die Japaner interessieren sich auch für uns Europäer.

Morgens habe ich auch wieder im Hotel gefrühstückt, im Japanischen Frühstück gab es unter anderem eine Misosuppe, Reis und einen ganzen gebratenen Fisch. Diesen erfolgreich zu essen, ohne die Gräten mitzunehmen, erfordert höchstes Geschick – das ich leider nicht habe…

Als ich beim Packen war, lief im Fernsehen gerade eine Reportage über Teeschalen und da zeigten sie gerade einen Haushalt aus Frankfurt mit deutschem O-Ton.

Ich kann das Hotel nur empfehlen, es hat eine gute Lage, guten Service und gute Restaurants. Der Name ist Hotel Granvia und es liegt auf der Südseite des Bahnhofs.

Um zwölf bin ich ausgecheckt (schönes denglisch) und bin zur Mangabücherei gefahren. Sie liegt auf einem Hügel neben dem Museum für moderne Kunst (, dass ich leider nicht besuchen konnte, weil ich sonst nicht genug Zeit für die anderen Dinge gehabt hätte). Es ist die größte Ansammlung älterer Mangas (Japanische “Comics”, auch wenn ich diesen Begriff hasse deswegen schreibe ich es auch nicht) in Hiroshima und Umgebung und bietet sogar eine kleine englischsprachige Ecke.

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Von da aus bin ich über einen der Flussarme nach Westen über den Friedensboulevard gelaufen. So friedlich ist die Straße leider nicht, sie ist eine Hauptverkehrsstraße.

Einmal Pizza-Pfannkuchen bitte

Von da war es nicht mehr weit zu meinem Mittagessen. Viele Städte haben eine Essensspezialität, wie zum Beispiel (Achtung Klischee): Frankfurter, Nürnberger und Hamburger. Nein, Hiroshima hat besseres zu bieten.

Nämlich das beste Okonomiyaki in Japan (hab ich jetzt so festgelegt. Das das gleichzeitig meine erste Portion war, tut nicht zur Sache). Es gibt ein mehrstöckiges Haus, das nur aus Okonomiyaki-Restaurants besteht. Genannt wird das Haus Okonomi-mura und jedes Restaurant bietet seine spezielle Variation an. Weil die ersten Stockwerke überfüllt waren, habe ich mich im vierten Stock dazugesellt.

Aber was ist Okonomiyaki nun? Manch Reiseführer nennt es Pizza-Pfannkuchen. Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht so. Aber dieses Gericht hat wenig mit beidem zu tun. Auf einer heißen Platte werden Brot, Sobanudeln, Kohl und Lauch (bei meiner Bestellung) gebraten und aufeinandergeschichtet. Obendrauf kommt eine ordentliche Portion Spezialsoße. In diesem Haus wird eine Soße verwendet, die es sonst nirgends zu kaufen gibt.

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Miyajima

Nach der Stärkung machte ich mich zu meinem letzten Hauptziel auf: die Schreininsel Miyajima.

Auf dem Weg dahin ist mir eine Demo begegnet. Eine Demo! In Japan! Ein weiteres Mal wird das Klischee donnerschmetternd zu Fall gebracht. Seit dem Unfall in Fukushima gehen auch in Japan Leute auf die Straße, um gegen die Atompolitik zu demonstrieren. Gerade in Hiroshima hat das eine besondere Bedeutung.

Die Insel zählt zu den drei schönsten Landschaften Japans, die anderen sind eine Landbrücke bei Kyoto und eine Bucht bei Sendai.

Die Insel gilt als heilig, Tote müssen auf Festland begraben werden. Bekannt ist die Insel durch sein rotes Torii, dass im Wasser vor der Insel schwimmt. Eignet sich auch gut als Postkartenmotiv.

Nach einer Fahrt mit der Straßenbahn und Überfahrt mit der Fähre betrat ich mit einem Schwall Japanern die Insel. Souvenirshops drängen sich aneinander, riesige Karten zeigen den Weg. Soweit alles, wie erwartet.

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Nur eine Sache scheint nicht normal. Was hat vier Beine und schnuppert an deinem Rucksack? Gut, es gäbe einiges, was faktisch richtig wäre. Ich will aber auf die Rehe hinaus, die auf der Insel leben. Bis heute gilt ein Hundeverbot auf der Insel.

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Der Itsukushima-Schrein ist kein gewöhnlicher Schrein. Er ist komplett auf Pfählen erbaut und schwebt so über dem Wasser. Er ist zudem sehr groß und dazu wirklich schön.

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dsc_6036Das Torii

Und ich habe den größten Reisschaber der Welt gefunden.dsc_6052

Abends ging es mit dem Shinkansen zurück, morgen geht der Schulalltag weiter.

Herzlichen Glückwunsch an alle, die bis zum Ende durchgehalten haben. Das waren über 1800 Wörter.

Hiroshima
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Ein Kommentar zu „Hiroshima

  • 2013/01/06 um 18:12 Uhr
    Permalink

    *sich selbst auf die Schulter klopf*

Kommentare sind geschlossen.

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