Während ich das hier schreibe sitze ich im Flieger. Wir sind ziemlich pünktlich abgeflogen und bewegen uns gerade Richtung Nordosten – wir sind über der Ostsee.

Ich muss euch warnen, der Beitrag ist sehr lang geworden. Ich habe ein paar Überschriften gemacht, damit ihr nicht ganz den Überblick verliert.

Der Flug

Am Flughafen lief auch alles gut, nur meine Kamera wurde verdächtigt Sprengstoff zu sein. Zum Glück konnte ich das Personal schnell davon überzeugen, dass es “nur” eine gewöhnliche Kamera ist. Ich habe jetzt schon eine Sache gefunden, die ich vergessen habe – meine Speicherkarten. Dadurch ist meine Nikon nutzlos und ich muss vorerst Bilder mit meinem Handy machen >.> Bitte habt Nachsicht, was die Bildqualität angeht.

Im Flugzeug selbst ist es ziemlich gemütlich – für Economy-Verhältnisse. Jeder Sitz hat einen eigenen Monitor und USB-Anschluss. Leider ist die Aussicht nicht die beste, ich sehe nur das Ende des Flügels, aber man kann durch Kameras eine schöne Aussicht genießen.

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In 12 km Höhe sind wir mit gut 900 km/h dahingedüst. Die Triebwerke waren zwar hörbar, aber nicht lauter als die kleinerer Maschinen.

Die Fluggäste sind hauptsächlich Japaner, die alle einer Reisegruppe anzugehören scheinen. Die Bordansagen kommen dreisprachig, leider kann ich das Japanische nur bruchstückhaft verstehen… そんな!

Für das leibliche Wohl wird auch gesorgt, es gab ein Reisegruppe dabei zu sein, die aus den Schweizer Alpen zurück ist. Auch meine Sitznachbarin gehörte zu dieser Reisegruppe. Beim Essen kamen wir dann auch ins Gespräch. Neben dem typischen Lufthansa バカ外人 (dummer Ausländer) Gericht gab es auch eine kleine Schale mit dünnen Nudeln und einer Soße, die mich an Sojasoße erinnert hat.

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Auf der Packung stand der Name auf japanisch, ich lese ihn laut vor, kenne aber den Begriff nicht. Ich frage meine Nachbarin was das für eine Soße sei. In japanischen Englisch erklärte sie mir, dass ich die Soße auf die Nudeln gießen sollte. Super, so weit war ich auch schon. Ein paar Minuten später scheint ihr ein Licht aufzugehen. Sie fragt mich auf japanisch, ob ich das lesen kann, ich antworte nur mit hai (Ja). Sie konnte sich das へえ?!すごい!nicht verkneifen und wir mussten erst mal herzlich lachen. Danach hab ich von meinen Plänen erzählt, halb auf Japanisch, halb auf Englisch. Sie kommt aus Sapporo und fährt von Tokyo aus mit dem Shinkansen dorthin.
Nachtrag von Dai-chan: Das war Soumen und ich sollte mich schämen, es vergessen zu haben.

Einige Zeit später, wir waren schon über Russland, dunkelte man die Kabinenbeleuchtung ab. Die meisten versuchten dann, etwas Schlaf zu bekommen, der Flieger sollte ja am nächsten Morgen landen. Ich tat es ihnen gleich, nur leider bekam ich nicht so viel Schlaf wie erhofft. Ich bin wohl eher wachgelegen und hab mich in meinem Sitz gewälzt.

Eine Ewigkeit später ging das Licht wieder an, es war 6 Uhr Ortszeit. Noch zwei Stunden bis zur Ankunft.

Und zum zweiten Mal rollten die Speisewagen durch die Reihen. Diesmal gab es Rührei und gefrorene Brötchen.
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Kurz vor der Landung bekam ich dann doch kalte Füße – nicht im symbolischen Sinne, sondern im wörtlichen. Aber unter der Decke wurden sie bald wieder warm. Der Landeanflug lief auch ohne Probleme ab, wir kamen über das Meer von Osten rein und landeten mit kleinem Ruckeln.

Vom Flughafen nach Tokyo

Kaum angekommen ging es weiter zur Ausweiskontrolle und Gepäckausgabe. Weil die Schlange bei der Kontrolle so lang war, wartete mein Gepäck bereits auf mich. Mit dem Gepäck habe ich noch schnell Geld abgehoben und bin dann zu den Zügen gegangen.

Dort ist auch das Ticketbüro der JR (Japan Rail), der japanischen Bahngesellschaft. Nach langer Diskussion bekam ich dann mein N’EX-Ticket und meine Suica-Card. Suica?

N’EX? Was ist das denn?
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N’EX steht für den Narita Express. Dieser Schnellzug verbindet den Flughafen mit Tokyos wichtigsten Bahnhöfen. Selbst dieser braucht bis zum Tokyo-Hauptbahnhof fast eine Stunde. Da sieht man wieder, wie groß Tokyo ist.

Es gibt ein Angebot, bei dem man einen vergünstigten Preis bekommt, wenn man sich zusammen mit dem N’EX-Ticket eine Suica-Card besorgt. Das ist eine Art Prepaid-Karte für die Züge der JR. Damit spart man sich die Tickets, alles wird elektronisch gebucht.

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Der Narita Express ist echt klasse, kein Vergleich zu deutschen Zügen. Man hat viel Beinfreiheit selbst in der zweiten Klasse und genug Stauraum für Gepäck. Auch der Service ist außergewöhnlich: Jede halbe Stunde kommt ein Zug und die Wagen werden nach jeder Rundfahrt gesäubert. Es gibt auch einen Essenswagen, der durch die Reihen fährt. Da wollte ich mir gleich mein erstes japanisches Mittagessen kaufen, nur konnte die nette Dame die 10.000 Yen-Scheine (100 €) nicht wechseln. Was jetzt?! Sollte Marius etwa auf sein Onigiri verzichten? Fortsetzung folgt.

Nein, zum Glück nicht. Es lebe der Fortschritt! Ich konnte einfach mit meiner Suica-Card bezahlen. Wirklich praktisch!

Ein weiteres Problem stellte sich mir dann in den Weg: Wie sollte ich Herrn Hurst von der Schule anrufen, wenn mein Telefon nicht funktioniert und ich kein Münzgeld habe.

ふこうだ (So ein Pech)!

Am Tokyoter Bahnhof angekommen versuche ich noch schnell Herrn Hurst anzurufen. Nur ein Problem gab es dabei: Ich hatte kein Münzgeld. Schlau wie ich bin habe ich mir einfach eine Bentobox gekauft, um mit dem Wechselgeld anzurufen. Nur bekam ich eine 500 Yen Münze, die mir nichts nützte. Ich habe noch 9 Minuten, die Zeit läuft gegen mich. Nach einem weiteren Einkauf hatte ich dann die begehrten 100 Yen Münzen und ich bin sofort zum Telefon gelaufen. Nur ging der nette Herr nicht ans Telefon, zumindest bekam ich eine automatische Ansage, die ich nicht deuten konnte. Also hab ich den Plan verworfen und bin zu den Shinkansen-Bahnsteigen gerannt, mit zwei Koffern und einem Rucksack. Als wäre es noch nicht schlimm genug, will sich die Ticketschranke bei mir nicht öffnen. Noch zwei Minuten. Ich bin heute echt vom Pech verfolgt >.<

Am besetzten Schalter warteten noch zwei Leute vor mir. Der Mann scheint mich verstanden zu haben, zumindest stempelte er mir fix die Karte und ich konnte zum Bahnsteig hetzen. Da stand dann auch ein Shinkansen. Auf dem richtigen Gleis. Auch ein Nozomi. In die richtige Richtung. Nur fuhr dieser zehn Minuten später ab. Ich hatte ihn also doch verpasst.

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Was macht man in diesem Falle? Ganz einfach, man spielt einfach den バカ外人 (dummen Ausländer), der keine Ahnung hat und einfach lost ist. Ich hab mich also dann einfach an meinen reservierten Sitzplatz gesetzt, nur eben im falschen Zug. Das das nicht auf Dauer funktionieren würde, war klar. So kam es dann natürlich auch. Eine Station später kam die Person, die ebenfalls diesen Sitzplatz beanspruchen wollte.

Zum Glück lies sich die Situation einfach lösen. Ich saß also in einer Dreier-Reihe:
( |–|–|–| |–|–| )
Das soll eine Reihe darstellen, links drei, der Gang und rechts noch zwei. Ich wechselte dann den Platz eins weiter nach rechts in die Mitte und die Sache hat sich erledigt. Der nette Herr neben mir hat mir sehr geholfen und hat sich mit dem Kontrolleur unterhalten. Wir kamen dann auch ins Gespräch. Er war selbst noch nicht in Deutschland, aber seine Tochter lebt in Paris. Er hat mich sogar kurz Herrn Hurst anrufen lassen, damit ich ihm sagen konnte, wann ich ankommen würde. Jetzt ist er in Osaka ausgestiegen, hat mir aber noch seine Nummer aufgeschrieben. Als Dank habe ich ihm wenigstens eins meiner Gastgeschenke gegeben – eins meiner 11 „Mannnemer Dreck“-Pakete.

In einer ruhigen Minute hab ich mich meiner Bentobox zugewendet. Es gab Tonkatsu (Japanisches paniertes Schnitzel) mit Reis.
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Im Nachhinein muss ich aber sagen, das diese Entwicklung genau das war, was eine Reise so aufregend macht. So lernt man Kultur und Leute kennen. Jeden Tag etwas neues gelernt.

Ich mach hier mal einen Break – sonst wird der Beitrag nur noch länger.
Ich bin so kaputt, ich berichte morgen weiter. Dann könnt ihr lesen, was nach meiner Ankunft geschehen ist.

Und schon wieder hab ich so viele Essensbilder hochgeladen – sieht mir mal wieder ähnlich :P

Unterwegs nach Japan
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11 Kommentare zu „Unterwegs nach Japan

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