Dieses Wochenende ging es wieder auf grosse Reise: Einmal über die Alpen und zurück.

Der Bernina Express ist ein Panoramazug wie der Glacier Express, der nicht nur zwei weit entfernte Orte verbindet, sondern auch mit atemberaubende Aussichten auf dem Weg dorthin aufbietet. Mit letzterem bin ich übrigens Anfang des Jahres bereits gefahren.
Die meist von Touristen befahrene Linie startet in Chur in der Ostschweiz und überquert dann die Alpen über den Bernina-Pass, bevor er die Passagiere jenseits der italienischen Grenze in der Gemeinde Tirano absetzt. Dort besteht Anschluss an den einen Bus, der die Strecke bis Lugano im Tessin zurücklegt. Von dort würden wir den Zug zurück nach Zürich nehmen, womit unser Tagestrip sein Ende finden würde.

Die Bernina-Strecke

Diesmal reiste ich in einer Gruppe, drei Freunde aus der Uni begleiteten mich.

Pünktlich trafen wir uns am Samstag Morgen um acht Uhr unter der grossen Bahnhofsuhr und stiegen in den IC nach Chur. Das Wetter wollte nicht wirklich mitspielen, über dem Walensee hingen Wolken. Etwas später stiegen wir in Chur um. Auch diesmal stand schon der rot lackierte Zug der rhätischen Bahn bereit.
Wir bezogen unsere Plätze im ersten Waggon, wo wir überraschenderweise unter uns waren und auch im Laufe der Fahrt nicht gestört wurden. Die anderen Wägen waren hingegen gut gefüllt mit Touristen aus fernen Ländern. Dann setze sich der Zug langsam in Bewegung.

Der erste Teil der Strecke glich noch der Bekannten nach Chur. Wir trotteten durch das flache Bündnerland und hielten ab und zu an, um Züge in Gegenrichtung durchzulassen.
Nach einer halben Stunde gewannen wir langsam Höhe und die bekannte SBB Stimme verkündete, dass erst hier die zum UNESCO Weltkulturerbe zählende Berninastrecke beginne.

Nun gewannen wir stets Höhe als wir uns dem Engadin näherten. Dabei durchfuhren wir unzählige Tunnel und überquerten auch einige Viadukte, einer davon der Solisviadukt auf 90 Meter Höhe.

Unterwegs trafen wir auf die höchstgelegene Molkerei bei Thusis.
Weiter ging die Fahrt über Filisur und Pon. Immer weiter kletterten wir hinauf und fuhren teils ganze Schleifen um einen Berg, um Höhe zu gewinnen. Im Gegensatz zum Glacier Express hat es hier keinen Zahnradantrieb.

Zwei Stunden vor Ankunft in Tirano näherten wir uns dem höchsten Abschnitt der Strecke. Vorbei an vergletscherten Bergen schlängelte sich der Zug durch das weisse Meer.


Jenseits von Pontresina sahen wir Snowkiter aus dem Fenster, die das Wetter und die hervorragenden Schneeverhältnisse ausnutzten.

Auf 2253 Meter legten wir einen kurzen Halt in Alp Grüm ein. Wir überquerten dabei die höchste Alpenüberquerende Zugstrecke. Es gab genug Zeit, Fotos vor dem Panorama zu machen, bevor wir den Abstieg begangen.


Kurz vor der Grenze nach Italien passierten wir den von Postkarten bekannten kreisförmigen Viadukt von Brusio.
Viadukt

Vier Stunden nach Chur kamen wir in Tirano, unserem Etappenziel, an. Auch ohne das Grenzschild gesehen zu haben, sah man durch die Form der Häuser schnell, dass wir uns nun in Italien befanden.

Die Stunde Aufenthaltsdauer nutzten wir, um uns mit vier ofenfrischen Pizze zu stärken.
Auch diesmal erreichten wir nur knapp den Anschluss, so passiert es schliesslich in jedem zweiten Reisebericht von mir. In flotten Sprint schafften wir es gerade noch, als letzte Passagiere zuzusteigen.
So mussten wir auch nicht lange warten, bis der rote Bus Richtung Westen Fahrt aufnahm.

Weiter ging es durch ein Dorf nach dem anderen, von einer Autobahn nichts in Sicht. Auch wenn dieser Abschnitt nicht der Höhepunkt des Tages war, konnte ich auch viel jenseits des Fensters beobachten.

Wir legten gerade eine Zwischenpause ein, um uns die Beine zu vertreten, als sich auf einmal der Bus mit geschlossenen Türen in Bewegung setze. Wildes gestikulieren italienischer Art ersparte uns einen längeren Aufenthalt in der Provinzgemeinde.

Am Lago Como vorbei überquerten wir die Schweizer Grenze. Bald darauf fuhren wir durch Lugano. Mit einer warmen Brise und dem Geruch von Frühlingsblumen wurden wir in der ins Abendlich getauchten Stadt empfangen. Auch hier war ich gerade letztens schon einmal.
Mit der Bergbahn fuhren wir ins Zentrum und schlenderten durch die belebten Strassen. Auf dem Piazza Riforma fand gerade eine Bootsausstellung statt.

Am See entlang liefen wir durch den Stadtpark am See entlang, gewärmt vom letzten Sonnenschein.

Auf meinen Vorschlag hin machten wir uns zum San Salvatore auf. Zur Erinnerung: Letztes mal konnte ich die Bergbahn wegen der Winterpause nicht nutzen. Diesmal hatte ich die Hoffnung, die Bergbahn fahren zu können, aber auch diesmal wurden wir in letzter Minute versetzt, die Bahn machte früher am Tag zu.

Niedergeschmettert traten wir daraufhin unsere Heimfahrt nach Zürich an. Mit dem ICN ging es über den Gotthard-Pass zurück.
Um zehn Uhr beendeten wir unseren langen Ausflug.

Ich kann euch den Bernina Express wärmstens empfehlen. Sowohl im Winter, als auch im Sommer lässt sich innerhalb von einem Tag so viel erleben. Mit einer Tageskarte ist es zudem preislich attraktiv.

Mit Crescendo über die Alpen
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