Nach Ostern hatte ich eine Woche Urlaub, die ich für eine kleine Reise innerhalb Europas nutzen wollte. Nach einiger Überlegung entschlossen sich Miriam und ich schliesslich für die tschechische Hauptstadt Prag. Ganze drei Tage verbrachten wir zusammen in dieser geschichtsträchtigen Stadt.

Anreise

Wir flogen mit Swiss von Zürich aus am Nachmittag ab. Es war überraschend viel los, so dass sich auch unser Flug entsprechend verspätete. Sonst landeten wir ohne Zwischenfälle auf tschechischem Boden. Als wir den Flughafen mit unseren Koffern verliessen, war es bereits dunkel. Der beste Weg in die Stadt war für uns der Nahverkehr. Den Taxifahrern kann und sollte man hier lieber nicht vertrauen, weiss unser Reiseführer. Mit dem Bus ging es zuerst ein Stück stadteinwärts, dann wechselten wir zur Metro. Die erste Station wirkte sehr modern mit LEDs und elektronischen Tafeln. Später erfuhren wir, dass ein neuer Streckenabschnitt gerade vorgestern in Betrieb genommen wurde.

Schliesslich kamen wir an der dem Hotel nächstgelegenen Haltestelle an. Ein gutes Angebot machte mich auf dieses Hotel aufmerksam, genau habe ich mir die Website damals aber nicht angesehen. Wir staunten also beide nicht schlecht, als vor uns ein gut zwanzigstöckiges Hochhaus emporragte. Wir wurden nett begrüsst und erhielten unsere Zimmerkarten. Das gesamte Personal sprach ausgezeichnet Englisch und mit der Weile bestätigte sich der Verdacht, dass dieses Hotel kein Geld mit einheimischen Besuchern verdienen möchte. Alles war im Mindesten zweisprachig angeschrieben und es wurde fast ausschliesslich Englisch gesprochen. Mit einem der fünf Aufzüge glitten wir in den zehnten Stock und betraten unser schmuckes Zimmer mit Sicht Richtung Stadt.

Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit begaben wir uns noch in das hoteleigene Restaurant. Von der ostasiatischen Karte suchten wir uns je ein thailändisches Gericht aus.

Tag 1

Unseren ersten Morgen begannen wir mit einem reichhaltigen Frühstück im Hotel. Gestärkt machten wir uns Richtung Altstadt auf. Mit der Metro sind es nur zehn Minuten bis in den Stadtkern.

Wenig später verliessen wir die Station Staroměstská im Stadtzentrum. Glücklicherweise war es bis zur vollen Stunde nicht mehr weit, so dass wir die Astronomische Uhr beim Stundenschlag beobachten konnten. Um das Altstädter Rathaus hat sich bereits eine Menschentraube gebildet. Aus den zwei Türchen über der Uhr erscheinen zu jeder Stunde die zwölf Apostel. Die Uhr aus dem 15. Jhd. besitzt das älteste noch originell erhaltende und funktionierende Uhrwerk.

Auf dem direkt angrenzenden Altstädter Ring befanden sich einige Buden und Dekoration, die an eine Art Ostermarkt erinnerte. Bereits hier fiel uns die lokale Spezialität Trdelník, auf Holzkohle gebackene Teigrollen, auf.

Auf einer kleinen Bühne abseits des Platzes fand eine Vorführung tschechischen Volkstanzes statt.

Wir zogen weiter durch die Altstadt Richtung Josefov, dem jüdischen Viertel. Dort statteten wir der Altneusynagoge und der Spanischen Synagoge jeweils einen kleinen Besuch ab. Am Eingang erhielt ich eine Kippa, die ich wie alle männlichen Besucher in dem Gotteshaus trug.

Von dort zog es uns weiter nach Westen, bis wir die Moldau überquerten. Direkt am Ufer befindet sich das Franz Kafka Museum. Die Ausstellung über das Leben des Autors und seinen Bezug zu Prag war sehr gut umgesetzt und konnte mit vielen Schriftstücken aufwarten. In der Schule las ich zwei seiner Werke, deren Handlung recht von Kafkas eigenem Lebenslauf beeinflusst wurde.


Für ein spätes Mittagessen fanden wir uns im kleinen aber feinen Café Malostranská beseda ein. Endlich konnten wir die böhmische Küche probieren (Bilder findet ihr weiter unten).

Gestärkt überquerten wir die Karlsbrücke, die eine der grössten Touristenmagneten ist. Ganze 30 Figurengruppen säumen die Brücke von beiden Seiten. Fun fact: Karl IV., der die Brücke in Auftrag gegeben hatte, soll darauf bestanden haben, rohe Eier in den Mörtel zu mischen. Er habe geglaubt, das würde die Brücke widerstandsfähiger machen. Der Mythos wurde vor kurzem durch eine Analyse der Chemischen Fakultät der Prager Universität überprüft – und bestätigt.

Wir schlossen den Kreis und kamen wieder am Altstädter Ring an. In der Nationalgalerie sahen wir uns eine Ausstellung zu antiker Kunst in Ostasien und im Mittelmeerraum an.

Sirenen, die ganze Zeit Sirenen. Die ganze Zeit hörten wir an jedem Ort, den wir besuchten, entweder einen Polizeiwagen oder die Ambulanz. Es schien jedoch nicht speziell eine Grossveranstaltung gegeben zu haben, deswegen verwunderte uns der permanente Einsatz etwas.

Zwischen Kirchen und alter Architektur warfen wir auch einen Blick ins Palladium, eines der grossen Einkaufszentren. Im obersten Geschoss gab es Essensstände und Restaurants aller Art. Die Globalisierung deutscher Unternehmen macht selbstverständlich auch nicht in Prag halt – wir fanden unter anderem Filialen von Rossmann und Nordsee.

Zurück im Hotel gönnten wir uns schliesslich einen Besuch im Spa im obersten Stock des Hochhauses. Die Aussicht war ausgezeichnet und viel war nicht los. Auch Sauna und Dampfbad sah ich mir kurz an.

Schon wieder schlug es halb zehn auf der Uhr, wieder kamen wir erst spät zum Nachtessen. Bei einem Take Away Asiaten um die Ecke fanden wir Dim Sum und Kimchi und machten uns darüber her. Abgerundet wurde das improvisierte Mahl durch gefüllte Teigbällchen in Kaninchenform.

Tag 2

Für den zweiten Tag war Sonnenschein angekündigt, dieser versteckte sich aber noch eine ganze Weile hartnäckig hinter den Wolken. Nach einem leichten Frühstück zogen wir zu Fuss Richtung Osten, wo wir bald auf die ehemalige Burganlage Vyšehrad stiessen. Von dort folgten wir dem Weg bis ans Ufer und folgten dem Stadtfluss Richtung Norden.

Wir überquerten die Most Legií (Brücke der Legionen) und fanden auch schnell die Zahnradbahn, die uns auf den Stadthügel im Westen der Stadt bringen sollte. Ausgerechnet an diesem Tag war sie wegen Revision geschlossen, so dass wir uns den Weg zu Fuss zu bahnen hatten. Auch in Prag ist Segway fahren möglich. Auch wenn das für manche lächerliche wirkende Gefährt in der engen Innenstadt nicht sehr zu gebrauchen ist, hätte es sich hier sicher ausgezahlt. Mehrere Wege schlängelten sich den Berghang hinaus und die in Blüte stehenden Obstbäume gaben langsam die Sicht auf die Prager Altstadt frei.

Oben angekommen statteten wir zuerst dem Spiegelkabinett und dann dem Petřínturm einen Besuch ab. Auf knapp 400 Metern gelegen erinnert der Aussichtsturm nicht nur an ein gewisses Denkmal aus Frankreich, wir lasen, die Konstruktion wurde sogar offiziell inspiriert vom Eiffelturm. Jetzt zeigte sich auch die Sonne und wir hatten hervorragende Sicht auf die ganze Stadt.

Auf dem Weg weiter in Richtung Burg befand sich ein Restaurant mit grossartigem Ausblick über die Stadt. Im letzten Moment entschieden wir uns doch dagegen und fanden in einer abzweigenden Gasse ein schmuckes Restaurant, das uns vom Ambiente sofort überzeugte, auch wenn es keinen Aussenbereich gab. Durch die Fensterfront hatten wir einen ähnlichen Blick wie zuvor und das Tagesmenü klang nicht nur sehr fein (Speckknödel mit Sauerkraut), sondern war auch richtig lecker. Abgerundet wurde das Menü durch ein Stück Apfelstrudel, der luftig zart auf unseren Zungen verging. Am Ende zahlten wir für beide Menüs mit Getränken und Desserts zusammen weniger als für ein Hauptgericht in dem vorherigen Restaurant.

Gestärkt fanden wir unseren Weg in das Burgviertel Hradčany, thronend über der Altstadt. Wo es vorher noch recht ruhig war, fanden wir uns nun wieder von Touristen umgeben. Der St. Veits-Dom war sehr imposant – dessen Fenster schienen wahrlich zu leuchten.


Innerhalb der Burgmauern befanden sich weitere, winzige Museen, auf diese verzichteten wir jedoch zu Gunsten der Schlossgärten.

Wieder auf dem Boden der Tatsachen nahmen wir noch an einer kleinen Moldaufahrt teil. Das Boot unterquerte einige der bekannten Brücken, während eine aufgezeichnete Stimme Erläuterungen zu den Sehenswürdigkeiten gab.

Es war nun recht spät, so beschlossen wir den Sonnenuntergang am Flussufer abzuwarten.

In der Nähe von Staroměstská fanden wir nach einigem Hin und Her ein sehr nettes Lokal, das nicht ausschliesslich von Ausländern frequentiert wurde. Wieder genossen wir zwei böhmische Gerichte, bestehend aus Schweinefleisch, Servietten- und Kartoffelknödeln und Sauerkraut, dazu passte das lokale Bier Pilsner Urquell perfekt. Hier eine kleine Zusammenstellung der Gerichte, die wir an den beiden Tagen geniessen konnten.
Food Collage

Abreise

Unseren Abreisetag begannen wir ganz entspannt. Von der Sonne (vor dem Wecker) geweckt, machten wir uns langsam parat und ich langte noch einmal gut am Buffet zu. Ursprünglich planten wir noch einen kleinen Abstecher in die Altstadt um nochmal die leckeren Trdelník zu probieren, jedoch war der Zeitrahmen nun doch etwas zu knapp dafür. Dieses Mal verzichteten wir auf die Metro und fuhren mit der Tram eine halbe Stunde quer durch die Stadt. Das war ebenso entspannend wie abwechslungsreich und wir konnten uns nochmals andere Gegenden der Stadt sehen, die mehr das heutige Prag abseits des Tourismus darstellten.

Mit dem Bus ging es dann wieder zum Flughafenterminal. Dort stärkten wir uns, bevor wir den Rückflug antraten. Die Maschine von Helvetic Airlines war ein kleineres Modell mit vier Sitzen pro Reihe. Pünktlich trafen wir wieder in Zürich ein.
 
Abschliessend noch zu unserem Budget: Wir haben 5’000 Tschechische Kronen in der Schweiz gewechselt, das waren umgerechnet ungefähr 200 CHF. Damit haben wir uns dreieinhalb Tage zu zweit gut zurechtgekommen. Flug und Hotel haben wir im Voraus bezahlt und sind hier nicht mit eingeschlossen.

Prag
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