Tschüss Kobe, hallo Tokyo!

Meine drei Wochen in Kobe sind nun rum, es ging so schnell. Nun hieß es packen und weiterreisen. Ich entschied mich diesmal nicht mit dem Shinkansen, sondern mit einem Overnight-Bus zu fahren. So sparte ich einiges an Geld und kam sogar einen halben Tag früher an.

Kurz nach neun Uhr (abends) schleppte ich mein Gepäck nach Sannomiya herunter. Der Bus stand schon bereit und nach dem Einchecken durfte ich hinein. Da kam auch schon die erste Überraschung: Der Bus würde mich nur nach Osaka bringen, wo ich umsteigen muss, um nach Tokyo zu kommen.

Das stellte sich allerdings als kein Problem heraus. Eine halbe Stunde später kam ich am Umeda Sky Building an, wo ich zehn Minuten auf den nächsten Bus wartete. Der kam planmäßig und ich konnte einsteigen.

Ich habe die bessere Sitzklasse gewählt, (was aber immer noch billiger als der Shinkansen ist) und es hat sich auf jeden Fall gelohnt:

Ich sitze auf einem Einzelplatz, der durch einen Vorhang abgetrennt ist; ich habe eine Decke, viel Fußraum, sowie eine elektrische Rückenlehne. MAN, IST DAS ABGEFAHREN!
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Um halb zwei, um halb vier und um halb sechs haben wir jeweils eine kurze Pause gemacht.


Überraschend pünktlich kam ich um sieben Uhr in Shinjuku an. Hier stellte sich die nächste Frage: Ist es schlau, mit zwei Koffern, die ein Gesamtgewicht von 30 kg haben, von der geschäftigsten Station der Welt, Shinjuku, zur zweit-geschäftigsten, Ikebukuro, zu fahren? Und das in der Rush-Hour?

Vermutlich nicht, ich habe es trotzdem gemacht. Leute, die mich gut kennen, wissen, dass ich ab und zu gerne irrational bin, wenn es dafür etwas zu entdecken oder erleben gibt. Überrascht war ich, als die Wagen der Yamanote-Linie (eine kreisförmige Linie, die alle wichtigen Stationen Tokyos miteinander verbindet) nicht überfüllt waren, sondern Platz für mich und mein Gepäck war. Der Berufsverkehr schien erst etwas später einzusetzen. Die beiden Bahnhöfe waren derweil trotzdem schon zu dieser Uhrzeit gut besucht. Man sollte nicht mittendrin stehen bleiben.

Vom Westausgang der Ikebukuro-Station machte ich mich zu meiner Unterkunft, dem Hotel Sakura, auf. Ein Freund hat es mir empfohlen, es sei sehr international geprägt und vergleichsweise günstig. Und damit behielt er recht. Ich bezog ein kleines Einzelzimmer im achten Stock, die Aussicht ist mal wieder umwerfend von Hochhäusern verdeckt. Außerdem fehlt einfach ein Kleiderschrank. Ob ich an der falschen Ecke gespart habe?
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Für den ersten Tag nahm ich mir vor, Ikebukuro und dessen Umgebung zu erkunden. Das Zentrum des Viertels breitet sich vom Ost-Ausgang des Bahnhofs aus, deshalb ging ich zunächst zurück zum Bahnhof.

Durch eine ziemlich gefüllte Fußgängerpassage landete ich in der “Sunshine City”, der “Stadt in der Stadt”. Das ist ein Gebäudekomplex und Shoppingmeile zugleich rund um das Sunshine 60 Hochhaus. Tokyo scheint keine Frühaufsteher zu haben, denn selbst um halb zehn haben noch alle Läden die Rollläden unten.

Kurz vor zehn reihte ich mich in die Warteschlange für die Aussichtsplattform ein. Das Sunshine 60 Gebäude war bis vor einigen Jahrzehnten das höchste Gebäude Asiens, bis es von einem Wolkenkratzer aus Südkorea abgelöst wurde. Auf dem 60. Stock des Hochhauses kann man Tokyo in einem 360°-Panorama erleben. Der Aufzug beförderte uns mit einer Geschwindigkeit von 600m/min innerhalb von 20 Sekunden an die Spitze. Da ich der letzte war, der in den Aufzug eingestiegen ist, war ich gleichzeitig der erste Besucher des Tages, der die Aussichtsetage betreten hat. So stand mir keiner im Weg bei den Bildern.
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Auf dem Rückweg habe ich einigen Shops einen Besuch abgestattet, die nun alle aufmachten. So warf ich einen Blick in die acht Etagen des Ladens Tokyu Hands.

Da ich heute schon früh auf den Beinen war, hatte ich auch früher Hunger. Im Internet habe ich vom animate-Café gehört, das sich zufälligerweise auch in Ikebukuro befindet. Jeden Monat gibt es ein anderes Thema, an das die Einrichtung und die Karte angelehnt ist und diesen Monat ist es Hatsune Miku. So gab es heute grüne Nudeln mit Rühreiraspeln, während im Hintergrund Miku sang.
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Gestärkt zog ich weiter nach Shinjuku. Im Osten der Station befindet sich das Vergnügungsviertel Kabuki-cho, aber das hob ich mir für später auf. Ich verlies also die Station Richtung Westen, zum “Skyscraper District”. Über unterirdische Passagen kam ich bald an meinem Ziel an: dem Tokyo Metropolitan Government Building. Überall sind Hochhäuser, man kommt sich verdammt klein vor.
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Ich bin nicht etwa hergekommen, um der Stadtregierung beim Arbeiten zuzusehen, sondern um hier wieder der Regierung aufs Dach zu steigen. Vom 45. Stock sieht man auch recht weit, allerdings nicht so weit, wie von Sunshine City aus. Im Erdgeschoss befand sich zudem eine Touristeninformation, wo ich mich mit Karten und Informationen eindecken konnte.

Eine nette Dame lies Passanten Honig probieren – aber keinen gewöhnlichen! Es gab eine Portion mit Honig gefüllte Bienenwabe. Schmeckte interessant.
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Nach einer Verschnaufpause habe ich mich langsam auf die Suche nach etwas zu Essen gemacht. Nach einem kleinen Umweg über Ost-Ikebukuro fuhr ich nach Shinjuku, wo ich nach einiger Sucherei in ein Ramen-Lokal ging. Bestellt habe ich mir Ramen (wow, wer hätte es gedacht) mit Gyoza.

dsc_9689Ein Lokal namens Ma-chan

Kabuki-cho habe ich auch einen kurzen Besuch abgestattet, mit dem Ergebnis, dass man mir immer wieder Angebote gemacht, die ich nicht ablehnen konnte.

He: You want sekkusu?
Me: ah, mou kekko desu.
He: Jaa… sutorippu kurabu?
Me: Sumimasen desu ga, tsugou wa warui desu.

Ich kann euch beruhigen, ich hab mein Geld noch und bin rechtzeitig nach Hause zurück.

In der Business-Class nach Tokyo
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